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Faire Globalisierung setzt echte Kooperation voraus
Nachhaltige Globale Sicherheit setzt Kultur des Friedens voraus

Quelle:Wikimedia Commons | Ferdinand Reus from Arnhem, Holland Quelle: JWB-Webdesign - Schifferstadt

Zwei Gesichter Jemens: Nur wirklicher Dialog bereitet den Weg zur Verständigung.

 

Die 16 Bundesländer und die rund 11.500 Gemeinden in Deutschland sind für das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) wichtige Partner für die Gestaltung der deutschen Entwicklungspolitik.

 
 

Winfried-Illo Graff - IN MEMORIAM

Erinnern und Gedenken an Winfried-Illo Graff

Geboren 1936 in Köln
verstorben am 10.März 2010

http://www.illograff.de | http://www.koelnagenda.de/news?nr=10041607

Tief traurig gedenken wir unseres langjährigen Vorstandmitglieds Winfried-Illo Graff. Er war stets ein engagierter Unterstützer des Global Cooperation Council und stand uns immer mit Rat und Tat bei unseren Vorhaben zur Förderung der Völkerverständigung zur Seite.
Wir geben im Folgenden die bewegende Trauerrede wieder, die ein enger Freund von Illo anlässlich der Trauerfeier gehalten hat. Wir könnten es nicht besser ausdrucken. Wir finden in dieser Rede Illo so wieder, wie wir ihn in Erinnerung haben.

http://www.zeit.de/1992/13/Im-Land-der-Heilkraeuter-und-Klosterburgen

http://www.flickr.com/photos/82757070@N00/2245600472/

Trauerrede:

Wenn Du etwas mit aller Macht gescheut und gemieden hast, dann waren es Anlässe oder Situationen, in denen Du im Mittelpunkt standest, es über Dich ging, Dein Leben, Deine Privatsphäre oder auch Dein Engagement innerhalb oder außerhalb Deines Berufes. Das mochtest Du überhaupt nicht. Heute aber, wenn wir von Dir Abschied nehmen müssen, musst Du uns genau dies erlauben – und ich tue es jetzt in der Gewissheit, dass Du mit feinem Lächeln dem widerstrebend zugestimmt hättest. Bei unserem Abschied von Dir möchten wir Dich noch einmal ganz und nah vor unseren Augen sehen und erleben, bevor Du endgültig von uns getrennt wirst.

So, wie Du es gewollt hast, spricht heute keine Frau,/kein Mann der Kirche zu Dir, sondern einfach - einer Deiner Freunde. Nicht, weil ein Gott für Dich fremd geworden, für Dich abwesend war. Keineswegs. Er war bis zuletzt für Dich eine zu einem sinnvollen, bewussten Leben unbedingt dazugehörende Dimension - geistig, seelisch und spirituell. Aus ihr hast Du – frei von allen institutionellen Bindungen – im inneren Dialog für Dich Kraft und Orientierung abgeleitet, besser: abgerungen , kritisch, zweifelnd, aber immer suchend und offen für helfende, weiterführende Antworten. Du warst Deinem inneren Gegenüber ein unbequemer Gesprächspartner, aber dieses Gespräch riss nie ab. Nur selten , aber manchmal , hast Du uns hieran beteiligt. Hast Du es zuende führen können? Mit welchem Ergebnis?

Trotz Distanz und Austritt aus der Kirche – ja, es war schon Einiges sehr Katholisch an Dir : Schon Dein ausgeschriebene Name Winfried Illo Antonius Laurentius Graff atmet rheinischen Katholizismus. Als 10 Jähriger warst Du leidenschaftlicher Messdiener im Kloster Steinfeld, das Du bis zuletzt immer wieder aufgesucht hast. Bis zum 18. Lebensjahr warst Du, was man einen strenggläubigen Katholiken nennt. Du wolltest sogar Priester werden!

Dies war und blieb Deine eine Seite : Dein Interesse an Meditation, die Suche nach Sinn und innerer Ruhe, nach endgültigen Antworten – auch nach Poesie :Du hast Gedichte geschrieben. In Verse gefasste Erkenntnisse und Empfindungen . Dich reizte das Phantasievolle, Ungewöhnliche, das Grenzüberschreitende - bis hin zur Esoterik und zur ganzheitlichen Medizin. Viel hast Du hierüber gelesen, an Kursen und Veranstaltungen teilgenommen, uns Tipps und Hinweise gegeben. Aber niemals missionarisch, belehrend. Eher zurückhaltend, manchmal fast schüchtern und widerwillig. Das waren Deine ganz intimen, eigenen Wege und Instrumente zur inneren Formung und Vertiefung. Kein Thema für längere Gespräche mit anderen., aber auch kein Geheimnis. Wir wussten und respektierten – und profitierten davon , wenn Du es wolltest und wir dafür offen waren .

In diesem Teil Deines Wesens – und ich glaube, Du hast Dich innerlich sehr genau sortiert und strukturiert , dabei blieb manche Kammer für uns Freunde und Bekannte immer verschlossen – in diesem zurückgezogenen Teil Deiner Person lag und arbeitete in Dir das traumatische Erlebnis, das Dich nie losgelassen hat und von dem Du immer wieder erzählen musstest, weil Du Dich schuldig fühltest: Der Tod Deines Bruders Wolfgang, der in den letzten Kriegsmonaten in der Eifel auf dem Weg zum Brotholen von einem britischen Tiefflieger erschossen wurde – Du hättest das Brot holen sollen, Du hattest Dich aber geweigert.

Vielleicht war dieses Erlebnis aber auch eine Kraft, die den ganz anderen Illo angetrieben und geformt hat: Den“ Homo politicus Illo „:den Grandseigneur auf der internationalen Medienbühne, den Wanderer zwischen den Kulturen und Kontinenten, den Kümmerer, den Förderer und Freund der Jugend.. Engagiert für das öffentliche Wohl, diskussionsfreudig, kommunikativ und zupackend. Aber auch hier Bezüge und Wurzeln zu Familie und Herkunft: Dein Vater - ein gerader und mutiger Anti – Nazi, Dein älterer Bruder - Mitbegründer des SDS und Präsident des Republikanischen Clubs und dann sicher auch das quirlige Leben in einer Großfamilie mit 2 Brüdern und 2 Schwestern.: Nährboden für die beiden Eigenschaften, die man immer mit Dir verbinden werden , mit denen Du Dein Umfeld zuweilen provoziert , aber immer zugleich auch mobilisiert und angeregt hast :

Das Rebellische, der ausgeprägte Widerspruchsgeist in Dir! Schon die Schule war Dir verhasst, 2 x bist vom Gymnasium geflogen (zu renitent, faul , lieber Theater spielend) UND Formalismus, starre Etikette und engstirniger Bürokratie waren Dir ein Greuel!
Diese Eigenschaften haben Dir viel inneren Platz verschafft für unablässige Neugier und ständiges Interesse an allem sich Entwickelndem, Kreativen , an fremden Kulturen und Ländern , an ihrer Musik, ihrem Essen , ihrem Tanz und ihrer Kunst. Unkonventionelle Ideen , das noch nicht Fertige, neue Herausforderungen waren Deine Sache. Sich einmischen, mitdenken und mitgestalten, politisches Engagement und ehrenamtlicher Einsatz – so hast Du Dich intensiv und unermüdlich eingebracht. Und Dir anvertraute Menschen, vor allem junge, zu fördern, ihnen zuzuhören, intensiv nachzufragen, Sie zu beraten und zu begleiten: Das hat Dich begeistert.

Wie hast Du diese Fülle Deiner z. T. sich widersprechenden Neigungen, Begabungen und Interessen in einer geordneten Vita entwickeln können? Irgendwie hast Du`s geschafft:
Die Schule bis zum Abitur – gewürzt als Austauschschüler in Frankreich und England!

Dann das Studium der Romanistik, Philosophie und Pädagogik in Köln- aber natürlich auch an der Pariser Sorbonne und selbstverständlich auch als Reiseleiter beim Asta.

Und dann - genau zum richtigen Zeitpunkt - die Hand von oben , die wunderbare Fügung, die es Dir ermöglichte, die ganze Palette Deiner Fähigkeiten in geradezu idealer Weise zu entwickeln und auszuleben --: Dein Einstieg bei der DW! Ein fulminanter Auftakt: Mit 29 als Rundfunkberater nach Kigali / Ruanda . Afrika, Deine Liebe für`s Leben ! Gerade verheiratet mit Uta und bald schon mit Tochter Birgit. Ein Rausch, - dem schon nach einem Jahr die durch Krankheit erzwungene Rückkehr nach Köln folgte. Aber wieder Glück und Fügung: Das gerade gegründete „Hörfunk – Ausbildungszentrum „ der Welle zur Förderung der Ausbildung von Rundfunkfach – und Führungskräften aus den Entwicklungsländern in Asien, Afrika und Lateinamerika war Dir wie auf den Leib geschrieben. Ein Gottesgeschenk !

Und die zwei Richtigen hatten sich gefunden: Fast 30 Jahre lang „ Illo und DW- Hörfunk – Ausbildungszentrum“! Eine ganze Generation lang !. Zunächst Trainer und Kursorganisator, dann 14 Jahre lang Chef. Wie kein anderer hast Du Aufbau und Konzeption des Zentrums und sein ständig wachsendes Ansehen im In- und Ausland geprägt und gefestigt, hast Reisen, Workshops, Seminare und Konferenzen in mehr als 100 Länder organisiert und bestritten und vor allem: Du hast unvergessene Spuren in den Köpfen und Herzen zahlloser Menschen in allen Erdteilen hinterlassen. In Deiner Kompetenz gefragt und geschätzt , für Deine Toleranz und für Dein mitmenschliches Interesse geachtet , hast Du viele Deiner Kollegen in aller Weltbeeindruckt und in ihrem beruflichen Selbstverständnis geprägt. Noch heute, 15 Jahre nach Deiner Pensionierung, richten viele Wegbegleiter aus aller Welt Grüße an Dich aus und fragen nach Dir.

Dabei hast Du hohe Ansprüche an Dich und Andere gestellt. Hier warst Du unerbittlich, manchmal sehr hart. Lieber ein Freund weniger, als einer zuviel - war Deine Devise.

Uns aber, die wir Deine Freundschaft erobert haben, bleibt Dein Witz, Dein tiefer Humor, Deine diebische Freude an Zugespitztem, Absurden unvergessen. Herrliche, ruhige und heitere Abende unter dem weiten Himmel Afrikas mit Dir, das Exotische auf dem Teller neugierig-kritisch prüfend, die souveräne Ruhe, die von Dir ausströmte, die violetten, im Wide flatternden Seidenhemden , manchmal von einem Strohhut gekrönt ---: das bleibt tief sitzen. Und die ausgedehnten Gespräche, die Du liebtest : interessiert, anteilnehmend, offen für Neues, für andere Sichtweisen, immer Partei ergreifend für die Schwächeren ,für das vom Mainstream der Medien Ausgeblendete und Verschwiegene.

Dem Phänomen der „ Zeit „ galt Dein tiefes Interesse: Sich bewusst Zeit zu nehmen für Wesentliches, das zeitlich Bedingte, Geschichtliche aller Ereignisse zu erkennen und zu berücksichtigen , war Dein leidenschaftliches Anliegen und Appell. Die intensive Lektüre des abonnierten Geschichtsmagazins „ Damals“ auf der einen Seite, die eindrucksvolle Breite Deiner über Jahrzehnte bis zuletzt wahrgenommenen Ehrenämter, die auf aktive Mitgestaltung gesellschaftlicher Entwicklungen abzielten , auf der anderen Seite, markieren dieses weite Feld Deiner vita activa :

Leiter des internationalen Kreises der Carl-Duisberg-Gesellschaft in Köln

Stv. Bundessprecher der Internationalen Kreise der CDG

Stadtverordneter im Rat der Stadt Mecherenich

Vorsitzender der SPD-Schiedskommission im Unterbezirk Euskirchen

Vorsitzender der Gewerkschaft Kunst und Medien in Köln

Vorstandsmitglied des DGB in Köln

Vorstandsmitglied der LokalAgenda Köln

Vorstandsmitglied des Global Cooperation Council (früher in Bonn, jetzt in Berlin)

Mitarbeit in der Leitbildentwicklung für Köln

Das 1991 verliehene Bundesverdienstkreuz war Anerkennung dieses herausragenden Engagements.
Lieber Illo, Du würdest jetzt unwirsch,. vielleicht sogar böse abwinken:

"Lass diese Äußerlichkeiten! Wie geht es Dir? , Euren Kindern? Was habt Ihr vor?, Wo wart Ihr?"

Das menschlich Konkrete , darauf kam es Dir immer an ! Deine Familie, Deine Kinder und Enkel, Barbara – sie bildeten das immer spürbare Gravitationszentrum Deiner Gedanken, Überlegungen und auch Sorgen, zu dem unsere Gespräche , wenn fast alles andere gesagt und bedacht war, immer wieder zurückkehrten.

Ich bin daher sicher, lieber Illo, dass Du eins jetzt unbedingt machen würdest, wenn Du es könntest: Lass mich es daher jetzt in Deinem Namen für Dich tun:
Dir, liebe Barbara, unendlich zu danken für Deine Liebe, Fürsorge und Pflege in den letzten Wochen und Monaten, die Dich bis an den Rand Deiner Kräfte, manchmal darüber hinaus, erschöpft und gefordert haben. Du hast Illo das kostbarste und größte Geschenk gemacht, das man Menschen am Ende ihres Lebens machen kann: Ihn liebe- und aufopferungsvoll umsorgt zu haben, damit er in Würde seinen Weg zuende gehen zu konnte.

Inge Kaul
Luc Gnacadja
Prof. Dr. Uwe Holtz
Heino von Meyer
    Ramesh Jaura
Burkhardt Siebert
Dr. Heike Nasdala
BEIRAT
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